Dr. Regine Hildebrandt

Dr. Regine Hildebrandtgeboren am 26. April 1941 in Berlin
gestorben am 26. November 2001 in Woltersdorf bei Berlin

  • 1990 Ministerin für Arbeit und Soziales, DDR
  • 1990 bis 1999 Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen, Brandenburg

"Für mich war der Gang in die Politik nie die Erfüllung eines sehnlichen Wunsches, sondern schlicht und ergreifend die Einsicht in die Notwendigkeit. Man kann nicht vierzig Jahre lang meckern, und dann hat man zufällig gerade keine Zeit, weil man sehen muss, wie man Geld verdient. Natürlich gibt es immer wieder mal herbe Enttäuschungen. Aber ich habe die Fähigkeit von großen Enttäuschungen zu kleinen Möglichkeiten des Gestaltens zu kommen, zum Stiften von Hoffnung."
Dr. Regine Hildebrandt

Kaum ein Brandenburger Politiker erhielt so viel Aufmerksamkeit wie Regine Hildebrandt. Sie gehörte zu den DDR-Bürgern, die die Chancen der Wendezeit und Wiedervereinigung sahen und etwas verändern wollten. Im Kabinett von Lothar de Maizière übernahm sie den Posten der Ministerin für Arbeit und Soziales. Ein Ressort, das ihr ans Herz gewachsen war. Nach der Wiedervereinigung übernahm sie dieses Ressort als Ministerin im Kabinett von Manfred Stolpe. Regine Hildebrandt war bekannt dafür, auch mal lautstark und vehement für die eigenen Ziele zu kämpfen. Insbesondere die Probleme der Ostdeutschen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Situation sozial Benachteiligter waren ihr Steckenpferd. Sich bei der Suche von Lösungen jedoch verbiegen zu lassen, das kam ihr nicht in den Sinn. Wir mussten leider viel zu früh von ihr Abschied nehmen.

"Das soziale Gewissen"

Regine Hildebrandt wurde am 26. April 1941 in Berlin-Mitte geboren. Nach ihrem Abitur 1959 begann Regine Hildebrandt ein Biologiestudium an der Berliner Humboldt-Universität, das sie 1964 abschloss. Es folgte ihre Promotion. Von 1964 arbeitete sie im VEB Berlin-Chemie, ab 1978 war sie Bereichsleiterin in der Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten in Berlin.

Während der Wendezeit engagierte sich Regine Hildebrandt in der Bürgerbewegung "Demokratie Jetzt". Kurz nachdem am 7. Oktober 1989 die Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP) gegründet wurde, trat sie dieser Partei bei. Bei den ersten freien Wahlen der DDR-Volkskammer zog sie nicht nur für die inzwischen von SDP in SPD umbenannte Partei ins Parlament ein. Sie wurde zugleich Ministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett von Lothar de Maizière.

Nach der Wiedervereinigung kandidierte sie auf Listenplatz 2 der SPD-Landesliste in Brandenburg und wurde nach der Wahl in der Regierung von Manfred Stolpe Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen. Sie setzte sie sich vehement für die Finanzierung und Schaffung von neuen Arbeitsstellen statt der Zahlung von Sozialhilfe ein. Bedeutende Errungenschaften in ihrer Amtszeit sind zum Beispiel das "arbeitsmarktpolitische Sonderprogramm" zur Ergänzung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) oder das so genannte Strukturhilfeprogramm. Dieses wurde auf besondere Initiative Brandenburgs von den Ministerpräsidenten der neuen Länder im Bund eingebracht und schuf ca. 500.000 neue Arbeitsplätze. Die Probleme berufstätiger Frauen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf standen stets im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Sie engagierte sich für den Erhalt von Kindergartenplätzen ein und setzte ein Gleichstellungsgesetz zur Frauenförderung in der Wirtschaft durch. Darüber hinaus nahm sie sich auch der Probleme pflegebedürftiger Menschen an und konnte ihnen mittels eines Investitionsprogramms eine ortsnahe Unterbringung zusichern. 1999 verließ sie das Kabinett Stolpe und legte zeitgleich ihr Abgeordnetenmandat nieder.

Bundespolitisch war Regine Hildebrandt ebenfalls sehr aktiv. Ab September 1990 war sie Mitglied im Bundesvorstand der SPD. Bis kurz vor ihrem Tod wurde sie auf Bundesparteitagen mit besten Ergebnissen gewählt. Zusätzlich gehörte sie auch dem "Forum Ostdeutschland" der SPD an, in dem sie sich für das gegenseitige Verstehen von Ost und West und die Interessen Ostdeutschlands einsetzte.

Regine Hildebrandt wurde stets als eine außergewöhnliche Politikerin gewürdigt. Vor allem ihre Bodenständigkeit wurde stets bewundert. Es fiel ihr schwer zu akzeptieren, dass sie während ihrer Reisen als Ministerin in feinen Hotels übernachten sollte, "zu einem Preis, der eine Sünde ist". Sie war lieber volksnah und wollte Betroffene kennen lernen, für die sie Politik machte. Warum dann nicht privat übernachten? Diese Wesenszüge sind es, für die sie immer noch geschätzt und verehrt wird. Noch heute bezeichnet man sie als "Mutter Courage des Ostens" oder "Therapeutin der gequälten Ostseele".

Regine Hildebrandt setzte sich unermüdlich für die Probleme der Bürger Ostdeutschlands und die der sozial Schwachen ein. Sie hinterließ Spuren, allein schon mit ihrer unverkennbaren "Berliner Kodderschnauze", die letztlich sogar von Anke Engelke parodiert wurde.

Auch heute ist Regine Hildebrandt noch allgegenwärtig. Sei es nun in Form einer "Regine-Hildebrandt" Schule in Magdeburg oder einem Brustzentrum in Nauen, dem Hospiz "Regine-Hildebrandt-Haus" in Frankfurt (Oder) oder dem "Regine-Hildebrandt-Platz" in Bremen und nicht zuletzt das "Regine-Hildebrandt-Haus" des Brandenburger SPD-Landesverbandes. Ihr Name begegnet uns überall. Darüber hinaus wurden einige Auszeichnungen in ihrem Namen gestiftet, darunter auch der "Regine-Hildebrandt-Preis der deutschen Sozialdemokratie" vom SPD-Bundesvorstand.

 

 
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